Liebe Frau Do, „Wir sind wieder da.“ Das waren die wichtigsten Worte von Angela Merkel bei ihrer ersten Rede als Parteivorsitzende in Essen im Jahr 2000. Die CDU lechzte nach dem Spendenskandal nach einem Neustart. 18 Jahre später ist Angela Merkel weg. Die Ära Merkel dauert in der CDU noch knapp sechs Wochen, dann wird ein neuer oder eine neue Parteichef(in) gewählt. Angela Merkel kündigt den Rückzug vom Parteivorsitz an, und man kommt mit dem Zählen gar nicht mehr nach, so viele Kandidaten stehen auf der Rampe. Plötzlich ist die CDU der Hort der innerparteilichen Demokratie. War Angela Merkel nicht nach der Bundestagswahl noch alternativlos? Und wollte sie nicht unbedingt Parteivorsitz und Kanzlerschaft bis 2021 in der Hand behalten? Schnee von gestern. Die CDU-Kanzlerin hat die Ergebnisse der Hessen-Wahl richtig gedeutet und die letzte Ausfahrt für einen Rückzug in Eigenverantwortung genommen. Mit Angela Merkel an der Spitze kann die CDU keine Wahl mehr gewinnen, das dämmerte nun auch der Kanzlerin selbst. Ihre Äußerungen gestern wirkten klar, souverän und fast ein bisschen befreiend. Ob sich die Kanzlerin bis 2021 halten kann, ist allerdings fraglich. Die CDU-Chefin hatte selbst oft den Verzicht Gerhard Schröders auf den Parteivorsitz 2004 als den größten Fehler ihres Vorgängers bezeichnet. Kanzler Schröder habe einen Autoritätsverlust erlitten, sagte Merkel damals. Es war tatsächlich der Anfang vom Ende von Schröders Amtszeit. Bei der CDU-Kanzlerin wird es nicht anders sein. Kristina Dunz blickt auf den Abschied auf Raten von Angela Merkel. Und wer folgt nun in der CDU? Das Angebot ist vielfältig, die Delegierten auf dem Parteitag haben eine echte Auswahl. Zwei der Kandidaten kennen wir hier bei der Rheinischen Post sehr gut. Meine Kolleginnen Eva Quadbeck und Kristina Dunz haben gerade eine Biografie von Annegret Kramp-Karrenbauer vorgelegt, die als Generalsekretärin versucht, der Partei ein neues Selbstbewusstsein einzuimpfen, und in der Partei beliebt ist. Hier lesen Sie, was „AKK“ auszeichnet und welche Chancen sie hat. Ich selbst habe in diesem Jahr eine Biografie über Jens Spahn geschrieben, jenen aufmüpfigen Konservativen, der sich gerne und mit Lust gegen die Position der Kanzlerin gestellt hat, vor allem in der Flüchtlingspolitik. Was ihn antreibt, lesen Sie hier. Der Überraschungskandidat am gestrigen Tag war aber Friedrich Merz. Der Mann aus dem Schattenreich der Großfinanz (er ist Lobbyist der weltgrößten Investmentfirma Blackrock) will wieder auf die politische Bühne. Es wäre die maximale Rache an der Kanzlerin, die einst Merz als Fraktionsvize ablöste. Wenn Merkel als Kanzlerin künftig die Beschlüsse umsetzen müsste, die der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz mit CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Chefin Andrea Nahles verhandelt hätte, wäre dies die Ironie der Geschichte. Doch öffentlich erklärt hat sich der 60-jährige Anwalt, der immer noch eine Sehnsuchtsfigur im Wirtschaftsflügel der Partei ist, bisher nicht. Und die Rolle von Armin Laschet ist ebenfalls noch bedeutend. Der einflussreichste Landes-Chef behält sich eine eigene Kandidatur vor, könnte im Gespann mit Niedersachsen und Baden-Württemberg aber auch den ihm genehmen Kandidaten durchdrücken. Spahn dürfte das nicht sein, er ist langjähriger Widersacher. Merz ist immerhin der Brexit-Beauftragte der Landesregierung. Laschet hat den Sauerländer wieder zurück in die NRW-Politik geholt. Warum NRW entscheidend sein könnte, haben Kirsten Bialdiga, Martin Kessler und Eva Quadbeck analysiert. Falls Ihnen das alles zu viel große Politik ist, empfehle ich noch die kuriose Geschichte von Peter Clement. Denn immer mehr Firmen und Privatleute lackieren ihre Autos im Polizei-Look. Das sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch für Irritationen im Straßenverkehr. Der Innenminister kann dabei nur zusehen, eine Handhabe hat er nicht. Herzlichst Ihr Michael Bröcker Mail an die Chefredaktion senden P.S.: Wenn Ihnen dieser Newsletter gefällt, empfehlen Sie die "Stimme des Westens" weiter! |