Die Olympia-Spezialausgabe am Dienstag, dem 6. August
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Was jetzt?
Die Olympia-Spezialausgabe am Dienstag, dem 6. August
von Laura Sophia Jung
Olympiaredakteurin ZEIT ONLINE

Guten Morgen und gute Nachricht: Das Pensum, das jeder Starter in der Triathlon-Mixed-Staffel absolvieren muss, ist auch für Normalos schaffbar. 300 Meter Schwimmen, sieben Kilometer Radfahren und 1,8 Kilometer Laufen. Die Siegerzeit eher nicht. Gut eine Stunde und 25 Minuten brauchten Lisa Tertsch, Lasse Lührs, Laura Lindemann und Tim Hellwig. Und holten Gold.

Worüber reden heute alle? 

Die erste olympische Basketballmedaille aller Zeiten für Deutschland. Und das auch noch bei der allerersten Teilnahme der Frauen im 3x3-Basketball. Und dann auch noch: die goldene. Im abendlichen Flutlicht am Place de la Concorde besiegten Svenja Brunckhorst, Sonja Greinacher, Elisa Mevius und Marie Reichert die Spanierinnen.

Dabei sah es lange eher so aus, als würde das Finale die nächste knappe Kiste werden, bei der die Deutschen den Deckel nicht zumachen. Nachdem die Hockeyfrauen schon im Penaltyschießen gegen Argentinien und die Volleyballer im Tiebreak gegen Frankreich verloren hatten, taten sich auch die Basketballerinnen schwer. Schneller als ihre Punktzahl stieg die der Fouls, sie kämpften sich ins Spiel, aber die Spanierinnen führten lange, meist sogar mit zwei Punkten Vorsprung.

Aber zwei Punkte sind eben auch nur ein Wurf – und den versenkte Sonja Greinacher souverän keine 30 Sekunden vor Schluss. Damit machte sie den Deckel drauf und Dirk Nowitzki die größte Freude. Der feierte mit den Basketballerinnen am Spielfeldrand ihren Sieg und die Tatsache, dass Deutschland nach dem Weltmeistertitel der Männer im vergangenen Jahr wohl endgültig zur Basketballnation geworden ist.

© Sina Schuldt/picture alliance/dpa

Wer wird heute wichtig?  

Die Bercy Arena, die zweitbekannteste Pyramide von Paris. Sie wird vom Turntempel jetzt zum Basketballcourt. Nach der Vorrunde in Lille werfen die Männer heute dort ihre Viertelfinalkörbe. In ihrer 40-jährigen Geschichte hat die Halle schon so einiges mitgemacht: von AC/DC-Konzerten über eine von Ice Age inspirierte Liveshow bis zur Parteiversammlung der Parti Socialiste. Jetzt also ein olympisches Basketballturnier.

Angus Young und Co. drücken sicher den Australiern die Daumen und wünschen ihnen gegen Serbien mehr als einen Shot in the Dark (14.30 Uhr). Brasilien hingegen steht gegen die USA (21.30 Uhr) vor einer ähnlich einfachen Aufgabe wie das Säbelzahneichhörnchen Scrat, das verzweifelt versucht, in einer vereisten Welt eine Eichel zu vergraben. Deutlich ausgeglichener, aber dafür konfliktreich wie ein Parteitag, könnte die Partie zwischen Frankreich und Kanada werden (18.00 Uhr). 

Den Anfang aber machen die deutschen Basketballer. Sie wollen gegen Griechenland (11.00 Uhr) beweisen, dass ihr Wahnsinnslauf aus der Vorrunde den Umzug nach Paris unbeschadet überstanden hat.

Die Bercy Arena hingegen muss zeigen, dass weniger, wenn schon nicht mehr, dann doch zumindest nicht schlechter ist. Denn nicht nur das Teilnehmerfeld im Basketballwettbewerb wird kleiner: Statt 27.000 Zuschauer wie in Lille können jetzt "nur" noch 20.300 Zuschauer dabei sein.

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Was machen die Deutschen? 

Dennis Schröder und Co. sind nicht die Einzigen, die sich heute einen Bruchteil näher ans Finale spielen wollen. Das Tischtennisteam der Männer um Timo Boll trifft im Viertelfinale auf Schweden. Das Team der Frauen im Achtelfinale auf die USA (10.00 Uhr). Auch auf dem Rasen von Marseille geht es gegen die Amerikanerinnen: Die Fußballerinnen könnten sich mit einem Halbfinalsieg schon jetzt eine Medaille sichern (18.00 Uhr).

Gleiches gilt für die Hockeymannschaft der Männer, wenn sie denn Indien besiegt. Es ist ein großes Wenn, denn bei den letzten Olympischen Spielen in Tokio verlor die frei nach dem Hanuta-Prinzip "Honama" genannte Nationalmannschaft ebendieses Halbfinale und musste mit dem undankbaren vierten Platz vorliebnehmen.

© Aijaz Rahi/picture alliance/dpa/AP

Für die Beachvolleyballer Nils Ehlers und Clemens Wickler ist das Halbfinale nach ihrem Sieg gegen das Favoritenduo aus Brasilien in Schlagweite. Sie müssen heute nur noch die Niederlande besiegen (17.00 Uhr).

Die Handballerinnen treffen im Viertelfinale auf die Gastgeberinnen aus Frankreich (13.30 Uhr). Kein kleines Hindernis, ähnlich wie die 76,2 Zentimeter hohen Hürden inklusive Wassergrabens, die Gesa Krause und Lea Meyer im 3.000-Meter-Hindernislauf überwinden müssen, um eine Medaille zu erlaufen (21.14 Uhr). 

Die verschwundene Sportart  

Karate. Ein einziges Mal war die vermeintlich friedliche Kampfkunst olympisch. Bei den Spielen 2021 in Tokio. Sieger wurde der Iraner Sajjad Ganjzadeh. Er bekam davon allerdings gar nichts mit. Ein Tritt an den Kopf hatte ihn dermaßen ausgeknockt, dass er nach minutenlanger Behandlung immer noch bewusstlos war und von Sanitätern aus der Halle geschoben werden musste. Applaudiert wurde ihm trotzdem. Zu dem Zeitpunkt war nämlich klar, dass sein Gegner Tareg Hamedi aus Saudi-Arabien für ebendiesen Tritt disqualifiziert worden war und Ganjzadeh damit Gold gewonnen hatte. Vielleicht war das auch der Zeitpunkt, an dem sich das Olympische Komitee dachte: Karate war vielleicht doch keine so geile Idee. Jedenfalls sind die Karatekas in Paris nicht mehr dabei.

© Harry How/Getty Images

Das IOC-Mitglied des Tages 

Nenad Lalović. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass bei diesen Olympischen Spielen auch um Medaillen gerungen wird (Freistil und Griechisch-Römisch). Anfang 2013 hatte das IOC empfohlen Ringen aus dem olympischen Programm zu nehmen. Zu wenig Ticketverkäufe, zu wenige TV-Zuschauer, zu wenig Nachwuchs hieß es. Und: zu viel Doping. 

Die Ringer waren schockiert, verwiesen auf ihre über 2.700-jährige olympische Geschichte. Olympiasieger gaben ihre Goldmedaillen zurück, einer trat sogar in den Hungerstreik. Und nach einem Misstrauensvotum räumte der Verbandspräsident die Matte.  

Dann warf Nenad Lalović als Nachfolger all sein Gewicht in den Kampf. Innerhalb kürzester Zeit stellte er den antiken Sport vom Kopf auf die Füße, etwas, was im Ringen sonst eher selten passiert. Es wurden zwei neue Gewichtsklassen für Frauen geschaffen, das Wertungssystem vereinfacht und verändert, um den Sport schneller und aggressiver zu machen, und auch der Verband stellte sich neu auf.  

Lalović hat den Kampf gewonnen, vorerst jedenfalls. Ringen ist nach wie vor olympisch, allerdings wird für 2028 neu verhandelt, ob das auch so bleibt. 

Unterstützt wurde er bei den an eine Revolution grenzenden Reformen vor allem vom russischen Verband. Und Russlands Präsident Wladimir Putin, einem begeisterten Ringer. Vielleicht nicht die ideale Unterstützung, um sich 2028 als sauberer und moderner Sport zu präsentieren.

© Daniel Jayo/picture alliance/dpa
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Die Zitate des Tages 

"Für mich ist das mein Happy End. Ich mag keine Geschichten ohne Happy End. Aber die Geschichte hat für mich ein Happy End: dass ich hier sitzen darf und in Paris meine dritten Olympischen Spiele turnen darf."

So ordnete der deutsche Turner Lukas Dauser seinen siebten Platz im Finale am Barren ein. Kurz vor Olympia hatte er sich einen Muskelbündelriss am rechten Bizeps zugezogen und sich deshalb nicht optimal vorbereiten können. Trotzdem sei er zufrieden – und dies sein letzter internationaler Wettkampf gewesen, sagte er. Dauser will sich auf andere Aufgaben konzentrieren. Vor allem eine: Vatersein. Immerhin auch das ein kräftezehrender Balanceakt.

"Beim Laufen hat man seinen eigenen Atem nicht gehört."

Triathlet Tim Hellwig hat nicht die Anstrengung in der Triathlon-Mixed-Staffel den Atem geraubt, sondern das französische Publikum. 

Das Bild des Tages 

Der Fotograf Sebastian Wells ist während der Olympischen Spiele exklusiv für ZEIT ONLINE in Paris unterwegs. Wir zeigen hier jeden Tag ein besonderes Bild vom Vortag. Heute von der wuseligen Gleichzeitigkeit, die den Reiz von Olympia nicht nur für die Fernsehzuschauer ausmacht. Während der Qualifikation im Stabhochsprung fanden auch die Vorläufe über 400 Meter statt.

© Sebastian Wells für ZEIT ONLINE

Wo werden heute Medaillen vergeben? 

In acht Sportarten und 18 Wettbewerben. Und zwar hier

Reiten 

10.00 Uhr: Springen, Einzelfinale 

Segeln 

14.43 Uhr: Einhandjolle, Medaillenrennen der Frauen 

15.43 Uhr: Einhandjolle, Medaillenrennen der Männer 

Wasserspringen 

15.00 Uhr: 10-Meter-Turm, Finale der Frauen 

Skateboard 

17.30 Uhr: Park, Finale der Frauen 

Ringen 

19.30 Uhr: Griechisch-Römisch, Bantamgewicht (–60 kg), Kampf um Platz drei der Männer 

19.40 Uhr: Griechisch-Römisch, Bantamgewicht (–60 kg), Kampf um Platz drei der Männer 

19.55 Uhr: Griechisch-Römisch, Bantamgewicht (–60 kg), Finale der Männer 

20.05 Uhr: Griechisch-Römisch, Superschwergewicht (–130 kg), Kampf um Platz drei der Männer 

20.15 Uhr: Griechisch-Römisch, Superschwergewicht (–130 kg), Kampf um Platz drei der Männer 

20.30 Uhr: Griechisch-Römisch, Superschwergewicht (–130 kg), Finale der Männer 

20.50 Uhr: Freistil, Halbschwergewicht (–68 kg), Kampf um Platz drei der Frauen 

21.00 Uhr: Freistil, Halbschwergewicht (–68 kg), Kampf um Platz drei der Frauen 

21.15 Uhr: Freistil, Halbschwergewicht (–68 kg), Finale der Frauen 

Radsport 

19.55 Uhr: Teamsprint, Finale der Männer 

Leichtathletik 

19.57: Hammerwurf, Finale der Frauen 

20.15 Uhr: Weitsprung, Finale der Männer 

20.50 Uhr: 1.500-Meter-Lauf, Finale der Männer 

21.14 Uhr: 3.000-Meter-Hindernislauf, Finale der Frauen 

21.40 Uhr: 200-Meter-Lauf, Finale der Frauen 

Boxen 

21.30 Uhr: Halbmittelgewicht (–71 kg), Halbfinale der Männer 

22.02 Uhr: Halbfliegengewicht (–50 kg), Halbfinale der Frauen 

22.34 Uhr: Weltergewicht (–66 kg), Halbfinale der Frauen 

23.06 Uhr: Leichtgewicht (–60 kg), Finale der Frauen 

Das war die heutige Spezialausgabe unseres Was-jetzt?-Newsletters zu den Olympischen Spielen 2024. Wenn es Ihnen wie mir geht und 14 Stunden Olympia am Tag einfach nicht genug sind: Ich habe die Social-Media-Stars unter den Athleten ausfindig gemacht, deren Videomaterial mindestens für weitere 14 Stunden reicht. Viel Spaß!

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