Liebe Leserin, lieber Leser,
dass Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem „Ich weiß es besser“-Virus infiziert ist, ist bekannt. Dass die Symptome bei ihm bis zum Totalausfall führen können, war mir neu. Immer mehr Details sickern gerade über eine private Feier in der Hauptstadt durch, die im Kanzler-Kalender vergangene Woche unter „Kontrollverlust“ verbucht werden müsste: Der Bundeskanzler – „I am a warrior“ (Scholz über Scholz) – auf dem Kriegspfad gegen Journalisten. Gleich vorweg: Kritische Medienvertreter sollten keine Mimosen sein, wenn sie selber kritisiert werden. Was da aber vor Zeugen, unter ihnen FOCUS-Chefredakteur Georg Meck und „Bild“-Vize Paul Ronzheimer, aus dem Kanzler-Munde kam, das war nicht kritisch, sondern ausfällig. Scholz sucht möglicherweise einen Schuldigen für seine schwindenden Wiederwahl-Chancen. An ihm selbst kann’s ja schließlich nicht liegen. Dafür an den ignoranten Journalisten, die seine Großtaten gegen illegale Migration nicht richtig würdigen – so in etwa Scholz‘ Klage bei dem Empfang. Er kanzelte dort eine öffentlich-rechtliche Führungskraft (die sich nicht äußern möchte) mit den Worten ab: „Halt den Mund" – ergänzt um eine noch deftigere Bemerkung. Andere Kollegen bezichtigte er, sich zum billigen Werkzeug von Verlegern oder, besser noch: der CDU-Pressestelle zu machen. Diese Art Verachtung kennt man von Verschwörungsschwaflern. Sie unterstellen Journalisten seit jeher, politisch fremdbestimmt und quasi auf Kommando zu berichten. Dass der Bundeskanzler sich derartigen Argumentationsmustern anschließt – in einer Zeit, in der Reporter attackiert werden und die unabhängige Presse mehr denn je unter Druck steht – ist dem Amt unwürdig. So dient er Deutschland nicht. Gerade er, der sich das Wort „Respekt“ am liebsten urheberrechtlich schützen lassen würde. |