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Nuclear News Monitor

Nuklearforum Schweiz Newsletter
23. April 2021      
 

Sehr geehrte Damen und Herren
 
Am 25. Mai 2021 findet die öffentliche Jahresversammlung des Nuklearforums statt. Zum Thema «Herausforderungen für die Kernenergie in der Schweiz – gestern, heute und morgen» referiert der ehemalige Präsident der ETH Zürich Prof. Lino Guzzella. Im Anschluss an das Referat diskutieren aktive und ehemalige Mitarbeiter der Schweizer Kernkraftwerke aus verschiedenen Generationen darüber, welche Rolle die Kernenergie in der Schweizer Stromversorgung und Energiepolitik spielen kann, darf und soll.
 
Die Jahresversammlung kann auf unserem YouTube-Kanal live mitverfolgt werden. Der Link zum Livestream sowie weitere Informationen werden Ihnen mit der Teilnahmebestätigung zugeschickt. Das detaillierte Programm und ein Anmeldeformular finden Sie auf unserer Website.
 
Auf unserem YouTube-Kanal finden Sie übrigens auch die Aufzeichnung des Forums-Treffs vom 22. April 2021 zum Thema Versorgungssicherheit.
 
Auch in dieser Ausgabe beschäftigt uns die EU-Taxonomie. Ausserdem befassen wir uns mit Tschernobyl sowie mit der Klimapolitik und Mikro-Reaktoren in den USA.
 
Freundliche Grüsse,
Nuklearforum Schweiz
 
EU-Taxonomie: Thriller mit Happy End?
In der Frage, ob die Kernenergie in der EU als grüne Investition gelten soll, scheint die EU-Kommission auf ihre Wissenschafter zu hören. Die Kernenergie soll – übrigens ähnlich wie Erdgas – in einer Ergänzung des Hauptregelwerks aufgenommen werden, wie die Kommission in einem umfassenden Dokument kommuniziert hat. In der Medienmitteilung dazu kommt das Wort «nuclear» nicht vor, wohl aber im dazugehörigen «Q&A». Foratom, die «Atomlobby» auf EU-Level, begrüsst das Vorgehen grundsätzlich, bemängelt jedoch den diffusen Zeitplan. Das haben auch «World Nuclear News» und «NucNet» aufgegriffen. Acht mehrheitlich osteuropäische Mitgliedstaaten forderten kurz vor der Bekanntgabe durch die Kommission, Kernenergie und Gas müssten in die Hauptlegislation aufgenommen, oder aber das Gesamtpaket zu einem späteren Zeitpunkt beraten werden. Beim «EU Observer» haben wir unter anderem gelesen, dass Greenpeace an den Plänen mitunter die Rolle der Biomasse kritisiert: «Nicht alles Grüne hilft gegen den Klimawandel, besonders wenn man es verbrennt». Natürlich wehren sie die Aktivisten auch weiter gegen die Aufnahme der Kernenergie, wie unter anderem «S&P Global» berichtet. Dort haben wir auch die Aussage von Tom Greatrex, CEO der britischen Nuclear Industry Association, gelesen, wonach «die Auswirkungen der Taxonomie geringer sind als die Leute denken». Anders sehen das die deutschen Energieversorger, die unter anderem sehr viel Gas verkaufen und in der aufgeschobenen Entscheidung die Versorgungssicherheit gefährdet sehen.
 
Tschernobyl in Luxemburg?
Am 26. April jährt sich der Reaktorunfall von Tschernobyl zum 35. Mal. Auf den Schweizer Portalen ist es dazu bisher ruhig geblieben. Der deutsche Sender «Pro Sieben» bringt anlässlich des Jahrestages einerseits die HBO-Serie «Chernobyl» sowie eine eigene «Doku»-Reihe – die der offiziellen «drama series» punkto Dramatik in nichts nachsteht. Aus Österreich erreicht uns eine Meldung, wie sie dort vermutlich jedes Jahr erscheint. Der «Tagesspiegel» lässt zwar mit der Titelwahl ähnliches vermuten, liefert dann aber als Fazit einen «durchaus überraschenden Befund». Über eine «Vielzahl von Tieren - Hirsche, Elche und Wildschweine, mehr als vor dem Unfall», denen offenbar «die erhöhte Strahlung in der Gegend nicht weiter geschadet» hat, berichtet «Euronews». «Super-Gau. Die letzten Tage Luxemburgs» lautet der Name eines Films, den «arte» immerhin als «Doku-Drama» bezeichnet, welches «das fiktive Szenario eines Atomunfalls mitten in Luxemburg» zeigt und «dessen wirtschaftliche, juristische, politische, gesellschaftliche und kulturelle Folgen» beleuchtet. Die Regisseurin des Films – auf der arte-Website übrigens nicht mit vollem Namen genannt – distanziert sich mittlerweile davon, da «der Sender ihre Arbeit zu einem sensationslüsternen Film verdrehte».
 
Bestehende und neue KKW – oder Solarpanels aus Zwangsarbeit?
Die Energieministerin der USA hat sich kürzlich in einem Video-Statement (ab 0:55) zur Kernenergie und insbesondere zu Small Modular Reactors geäussert. Ihr Chef, Präsident Biden, hat am Leaders Summit on Climate neue, ambitionierte Treibhausgas-Ziele präsentiert und ist in diesem Zusammenhang auch auf die Rolle der Kernenergie eingegangen. Biden hat für seine Klimapolitik Lob von den Vereinten Nationen in der Person ihres Generalsekretärs erhalten, wie «World Nuclear News» berichtet. Bidens Standpunkt zur Kernenergie kommt auch der Forderung von sechs gewichtigen pro-nuklearen Organisationen im Vorfeld des Klimagipfels entgegen. Auch vom dafür zuständigen Komitee des US-Senats wurde Biden aufgefordert, die Kernenergie zu unterstützen. Ein feuriger Verfechter der Kernenergie ist bekanntlich auch Michael Shellenberger. In seinem jüngsten Beitrag rechnet er mit der chinesischen Solarindustrie und den Demokraten, die sie auf Kosten der Kernenergie unterstützen, ab.
 
Mikro-Reaktoren als Wunderwerke
Während sich die Ministerin öffentlich für kleine Reaktoren ausspricht, beschäftigt man sich innerhalb ihres Ministeriums schon länger auch mit der nächstkleineren Stufe der sogenannten Mikro-Reaktoren. Besonders fantasievoll gehen die US-Wissenschafter sind dabei bei der Wahl des obligaten Akronyms vorgegangen und haben ihr Pilotprojekt «MARVEL» (Wunder, Wunderwerk) getauft. Das steht für Microreactor Applications Research Validation and EvaLuation. Darüber berichtet auch das «Nuclear Engineering Magazine». «Newswise» hat weitere Aktivitäten des Energieministeriums im Bereich der Mikro-Reaktoren aufgelistet und «Vox» geht der Frage nach, ob diese als Lösung für die Umweltprobleme in der Modeindustrie in Frage kommen.