Sehr geehrte Damen und Herren
Neben den an dieser Stelle schon behandelten «klassischen» Neubauprojekten sowie den vielfältigen innovativen Reaktorkonzepten und Fortschritten bei SMR geht auch die nukleare Forschung und Entwicklung stetig weiter, nicht zuletzt im Bereich der Kernfusion: Am 31. März 2020 ist im japanischen Naka der JT-60SA fertig montiert worden – die bis zur Fertigstellung von Iter grösste Fusionsanlage. Letztere erhält unter anderem Unterstützung von der amerikanischen Firma Jacobs Engineering. Am Iter-Standort Cadarache in Südfrankreich ist zudem Mitte April Einer der grössten und komplexesten jemals gebauten Magnete eingetroffen.
In Russland soll ein neuer Synchrotron entstehen und in Belgien wurde erstmals Molybdän-99 (Mo-99) aus schwach angereichertem Uran hergestellt. Molybdän kommt auch beim neuen Brennstoff der Technische Universität München (TUM) und der Framatome zur Verwendung. Für das US-KKW Byron-1 wurde erstmals eine Brennstoffkomponente im 3D-Drucker hergestellt. Für eine weiteres «erstmals» sorgt das Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Das US-Energieministerium unterstützt derweil digitale Forschungsprojekte und fortgeschrittene Reaktorkonzepte.
Im Folgenden geht es heute noch einmal um das Coronavirus. Ausserdem beschäftigen uns Kohlekraftwerke, Japan und die Kernenergiedebatte.
Freundliche Grüsse,
Nuklearforum Schweiz
Wie «nachhaltig» ist die Krise?
Ein Projekt der Internationalen Atomenergie-Organisation zur Verbreitung eines auf Nukleartechnologie basierenden Corona-Tests wird von den Mitgliedstaaten mit 22 Millionen Euro unterstützt. Forbes-Autor James Conca ist auf eine mögliche Behandlungsmethode gestossen, die Niedrigstrahlung einsetzt. Am deutschen KKW-Standort Philippsburg bei Karlsruhe sind die beiden Kühltürme des stillgelegten Werks gesprengt worden. Was auch als Energiewende-Freudendfest hätte inszeniert werden können, fand Corona-Bedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ebenfalls Corona-bedingt erfolgte laut «Welt» bei der Finanzierung der Energiewende eine Annäherung zwischen den Grünen und der Industrie. Was nach der Krise von den vorübergehend gesunkenen CO2-Emissionen übrigbleiben wird, fragen sich die «Republik» und der «Guardian».
Nach der Kernenergie kommt die Kohle dran
In einem weiteren Beitrag bei «Forbes» ist die Coronakrise nur ganz am Rand ein Thema. Uns hat der Text vor allem an das neue Kohlekraftwerk erinnert, das diesen Sommer in Datteln in Betrieb gehen soll. Beim «Stadtspiegel» von Marl haben wir gelesen, dass anlässlich der – übrigens virtuell abgehaltenen – Hauptversammlung der Betreiberfirma bereits im Vorfeld verschiedene Protestaktionen angekündigt waren. Die Bilder der Aktionen erinnerten uns dann stark an Aktionen von Kernenergie-Gegnern und schafften es auch in die «internationale» Presse. Ein weiterer Blick zum britischen «Guardian» zeigt derweil, dass auch andernorts neue fossile Kraftwerke gebaut werden – wenn auch im Fall von Grossbritannien neben neuen Kernkraftwerken und immerhin Gas statt Kohle.
Zweifelhafte Solidarität
Auch bei unserem Kapitel zu Japan spielt das Coronavirus eine Rolle. Diesem Bericht zufolge entlarvt es die Anfälligkeit der japanischen Energieversorgung nach Fukushima. Ob die Inbetriebnahme einer neuen Uran-Wiederaufbereitungsanlage daran gross etwas ändern wird, ist laut des Kommentars von «The Mainichi» zweifelhaft – und zwar aus unserer Meinung nach durchaus nachvollziehbaren Gründen. Während die weniger dringend benötigte Nuklearanlage von den Behörden grünes Licht erhält, muss ein Kernkraftwerk wegen Terrorismus-Auflagen wieder vom Netz. Und da wir schon in Japan sind: Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Forderung von Aktivisten und Ärzten, keine Olympischen Spiele «in verstrahlten Regionen» durchzuführen? Kaum erstaunlich fordern sie das auch für das Verschiebedatum – aus «Solidarität mit den Menschen in Fukushima».
Impossible is nothing
Von Japan nun nach Kanada, und damit von den Antiatomaktivisten zu den Pronuklearen von «Alberta Nuclear Nucleus». Auch in Puerto Rico scheint Interesse an der Kernenergie zu bestehen und gemäss dem Twitter-Account von «Third Way Energy» stehen ihr auch im sogenannten Green New Deal die Türen offen. Das dürfte Kirsty Gogan freuen. In ihrem Interview mit «The 4th Generation» haben wir gelernt, was die Kernenergie mit veganen Hamburgern gemeinsam hat.