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Nuclear News Monitor

Nuklearforum Schweiz Newsletter
26. Februar 2021      
 

Sehr geehrte Damen und Herren
 
Am 11. März 2021 jährt sich der Reaktorunfall in Fukushima-Daiichi zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass haben wir in einem Web-Special die Ereignisse in Japan und die Erkenntnisse daraus rekapituliert.
 
Auch der – virtuelle – erste Forums-Treff des Jahres war dem Reaktorunfall gewidmet. Prof. Horst-Michael Prasser von der ETH Zürich hat einen Überblick über den Ablauf des Unfalls und dessen Aufarbeitung präsentiert, den Sie bei Youtube anschauen können.
 
Des Weiteren befassen wir uns in dieser Ausgabe – wie könnte es anders sein – mit Deutschland, genauer gesagt mit der dortigen Energiewende, dem Kohleausstieg sowie der deutschen Sicht auf die Kernenergie. Letzterer stellen wir zum Schluss englischsprachige Berichte zum gleichen Thema gegenüber.
 
Freundliche Grüsse,
Nuklearforum Schweiz
 
Wenn die Wende in den Blackout führt
Fast die Hälfte der deutschen Familienunternehmen hat laut der «Frankfurter Allgemeinen» in den letzten Jahren Schwankungen im Stromnetz registriert, die in 19% der Fälle zu «relevanten Schäden» geführt haben. Der Präsident des Verbands Die Familienunternehmer führt das unter anderem auf den «kopflosen» Ausbau der Erneuerbaren zurück. Beim zukünftigen Stromverbrauch unterliegt die Bundesregierung laut der «Welt» einem Irrtum. Da es in Deutschland immer weniger Kraftwerke gibt, steigen die Entfernungen zwischen den Energieproduzenten und den Verbrauchern in der Industrie und damit auch die Netzkosten immer weiter – «Das könnte für manche Standorte das Aus bedeuten». Für die Industrie ist demnach der Bau eines neuen Gasraftwerks eine gute Nachricht, für den Klimawandel bekanntlich weniger. Neben Konkursen in der Industrie droht auch der Blackout. Während «Heise» die Gefahr des Strommangels an den französischen KKW aufhängt – und die Problematik weiter unten doch noch differenzierter betrachtet, fragt der «Mitteldeutsche Rundfunk»: «Führt die Energiewende in den Blackout?». Abhilfe soll unter anderem der Import von Flüssiggas schaffen – dies wiederum zum Leidwesen der Klimaschützer.
 
Kohleausstieg mit und ohne «Atom-Joker»
Gut fürs Klima wäre es dagegen, wenn die Corona-Pandemie tatsächlich den Kohleaussteig beschleunigt. Einen «Kohleausstieg durch die Hintertür» befürchtet der Wirtschaftsrat Deutschland angesichts verschärfter Grenzwerte für Kraftwerke – das löst Erinnerungen an die Kernenergie-Debatte aus. Eine weitere Parallele zum Atomausstieg sind die Entschädigungen, bzw. «Milliarden-Stilllegungsprämien», für die Betreiber der Kohlekraftwerke. Solche Entschädigungen fordern die (deutschen) Betreiber niederländischer Kohlekraftwerke auf dem Gerichtsweg. Das Portal «Energiezukunft» feiert mit der Überschrift «Später Kohleausstieg abgewendet», die Tatsache, dass die Abstimmung über das Datum des tschechischen Kohleausstiegs im dortigen Parlament vertagt wurde. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die Kernenergie-Pläne der Tschechischen Republik. Auch die Briten setzen bekanntlich auf den «Atom-Joker» und «düpieren» laut der «Welt» die Welt beim Kohleausstieg.
 
Kernenergie-Berichterstattung auf Deutsch…
Dass China neue Kernkraftwerke baut, ist nicht neu. Neu – und auch den deutschen Medien aufgefallen –  ist dagegen, dass das Land selbst entwickelte Reaktoren in Betrieb nimmt. «Steht die Kernkraft vor einer Renaissance?», fragt sich die «Frankfurter Allgemeine» angesichts der weltweiten Entwicklungen im Bereich der Small Modular Reactors – und des Interessens daran von Joe Biden, Bill Gates und Boris Johnson. Der «Bayerische Rundfunk» hat derweil festgestellt, dass in Finnland sogar Grüne die Kernenergie den Fossilen vorziehen. «Als kleineres Übel» gilt die Kernenergie auch in Frankreich, wie die «Tageszeitung» im Zusammenhang mit den dortigen Laufzeitverlängerungen schreibt. Als «der falsche Weg» bezeichnet das die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), als «ein gravierendes Sicherheitsrisiko» für Europa eine Abgeordnete der Grünen. Ungeachtet solcher Äusserungen produzieren die verbleibenden deutschen KKW Strom – und zwar zum Teil auf Rekordniveau, was aber ausser der «Achse des Guten» niemand feiert.
 
…und auf Englisch
So gefeiert wie in den Songs von Baba Brinkman wird die Kernenergie auch im englischsprachigen Raum nicht überall. Aber es gibt pronukleare Thinktanks, die sich gegen «antinuklearen Bullsh*t» wehren, und einflussreiche Leute wie zum Beispiel Bill Gates, der öffentlich sagt, dass die Kernenergie «ganz sicher wieder politisch akzeptiert» sein wird. Auch der Podcast des «Power Magazine» stellt Fragen, die in diese Richtung zielen, und die Fachwelt beschäftigt sich mit neuen Kernbrennstoffen, die Unfälle wie in Fukushima verhindern könnten. Und dann gibt es da natürlich auch noch «die Aktivisten, die die Kernenergie mit offenen Armen begrüssen», wie es der «New Yorker» schreibt. Das Format «Kurzgesagt» von ARD und ZDF haben wir hier auch schon verlinkt.  Deren neustes Video über die Todesopfer der Kernenergie haben wir (noch?) nicht auf Deutsch gefunden, dafür eines über Kernfusion. Last but not least dürfen wir uns heute einmal wieder dem Thema Nukleartechnologie im Weltall widmen. Einerseits befasst sich «National Public Radio» mit Nuklearantrieben für die bemannte Raumfahrt, zum Beispiel zum Mars. Andererseits befindet sich mit dem Mars-Rover Perseverance der Nasa bereits Nukleartechnologie auf dem roten Planeten.