Trump will Russland wieder in G8 aufnehmen
● Chialo: Scholz' Worte waren „verletzend“ |
● Commerzbank plant Jobkahlschlag |
● Kehrtwende: Verbrenner erleben Revival |
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Liebe Leserin, lieber Leser, von Paris aus sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) das, was sie oft sagt, nach heimtückischen Attacken auf nichtsahnende Menschen, wie gestern in München: „Dass wir uns nicht spalten lassen, weder von Rechtsextremisten noch von Islamisten. Dass wir in unserem Land als Demokraten zusammenstehen.“ Zyniker würden sagen, dass das keine so gute Idee ist, denn „Zusammenstehen“ birgt heutzutage ja leider die Gefahr, dabei von einem psychisch auffälligen Ausreisepflichtigen, einem islamistischen Terroristen oder neuerdings auch von einem Islam-Hasser überfahren oder mit einem Messer attackiert zu werden. Die Frau, die gestern Abend bei „ZDF Klartext“ die erste Frage an Bundeskanzler Scholz richtete, war keine Zynikerin. Sie stammt aus Solingen, wo ein junger Syrer vergangenen August drei Menschen ermordete. „Man kann die Städte ja gar nicht mehr alle aufzählen”, sagte sie und sprach von der Angst um ihre Enkelkinder. Den Kanzler fragte sie: „Wenn Sie nicht massiv etwas ändern, tragen Sie dann nicht eine moralische Mitschuld an jeder einzelnen Tat, die da stattgefunden hat?” Olaf Scholz mühte sich etwas mit der Klartext-Antwort. Meine lautet: Nein. Bei aller Wut, Trauer und Kritik: Der Bundeskanzler trägt keine Mitschuld an Morden – weder moralisch noch sonst – ebenso wenig wie seine Vorgängerin und sein Nachfolger es tun. Brokstedt, Mannheim, Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg, München – die Schuld für diese Taten liegt bei den Tätern. Was nichts daran ändert, dass verantwortliche Politik die Rechtslage und Handlungsfähigkeit dieses Landes darauf ausrichten muss, die Bedrohung von innen auf ein Minimum zu reduzieren. Daran arbeiten Bundesregierungen seit Anis Amris Bluttat an der Berliner Gedächtniskirche 2016. |
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| Das Tatwerkzeug des 24-jährigen Afghanen. 30 Menschen hat er in München verletzt, viele davon schwer. Mindestens acht schwebten gestern Nacht noch in Lebensgefahr (© Imago) |
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Hätten sie mehr tun können? Ja. Was sie oft daran hindert (mal abgesehen von der schieren Dimension des Problems), ist die angeblich drohende Spaltung der Gesellschaft, vor der Frau Baerbock so gern warnt. In Fragen der inneren Sicherheit ist die Gesellschaft allerdings so gespalten wie die Grünen beim Klimaschutz: Nicht. Im. Geringsten. Jeder möchte hier ungefährdet leben – erst recht die, die vor Verfolgung zu uns geflohen sind. Zwei Drittel der Menschen (plus die mit Bekennerdefizit) sind auch klar dafür, unkontrollierte Einwanderung zu verhindern. Das wird juristisch und faktisch kompliziert genug. Doch solange weiterhin jeder als „rechts“ oder „Nazi“ gescholten und mit Lichterketten bedroht wird, der nicht nur positive Seiten der Migration erwähnt, solange siegt die Unehrlichkeit über die Tatkraft. Glauben Sie, dass die nächste Regierung ehrlicher auf die Probleme blickt? Schreiben Sie an feedback@focus-magazin.de |
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| Vor Beginn der Sicherheitskonferenz: US-Vizepräsident J.D. Vance, Second Lady Usha Vance und ihre Kinder Ewan, Vivek und Mirabel am Flughafen München (© dpa) |
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Ukraine-Verhandlungen: Europäer pochen auf Mitsprache |
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Die Welt blickt nach München, wo am Rande der Sicherheitskonferenz erste Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs stattfinden sollen. Laut US-Präsident Trump gibt es heute „ein Treffen. Russland wird mit unseren Leuten dort sein. Die Ukraine ist übrigens auch eingeladen. Ich weiß nicht genau, wer von jedem Land dabei sein wird, aber hochrangige Leute aus Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten.“ Er sprach sich dafür aus, Russland wieder in die Runde der führenden westlichen Wirtschaftsnationen (G7) aufzunehmen. Der Rauswurf aus den G8 sei ein „Fehler“ gewesen. Der US-Sonderbeauftragte Kellogg verteidigte im ARD-Interview, dass sich Trump bislang nicht mit den Europäern abgestimmt hat. „Sie müssen das Telefon in die Hand nehmen“, appellierte er. Trump sei „offen für Gespräche“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte vor schwerwiegenden Folgen für die Ukraine und Europa. „Ein Frieden, der eine Kapitulation ist, ist eine schlechte Nachricht für alle“, so Macron zur „Financial Times“. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kritisierte, dass die US-Regierung bereits Zugeständnisse an Russland gemacht habe. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte öffentlich erklärt, eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und eine Rückkehr zu den Staatsgrenzen von 2014 seien unrealistisch. „Es wäre besser gewesen, über eine Nato-Mitgliedschaft oder über Gebietsverluste des Landes erst am Verhandlungstisch zu sprechen – und es nicht vorher vom Tisch zu nehmen“, sagte Pistorius. FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach von einer „Demütigung Europas mit Ansage".CDU-Chef Friedrich Merz erwartet, dass US-Vizepräsident J.D. Vance heute eine „brutal harte Ansage“ an Europa machen werde. Vance soll sich in München mit Merz treffen, laut „Politico“ allerdings nicht mit Olaf Scholz: „Wir brauchen ihn nicht zu sehen, er wird nicht mehr lange Kanzler sein“, so ein führender US-Beamter. |
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| Bundeskanzler Olaf Scholz gestern bei einem Wahlkampftermin in Fürth (© dpa) |
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Senator Chialo: Scholz verletzend, aber kein Rassist |
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Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) hat die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) juristisch angegriffene FOCUS-Berichterstattung im Kern bestätigt. Die „Hofnarr“-Äußerungen von Scholz nannte er „herabwürdigend und verletzend“. Er halte den Bundeskanzler nicht für einen Rassisten, gleichwohl hätten ihn die Begriffe „Hofnarr“ und „Feigenblatt“ hinsichtlich seiner Rolle in der CDU „tief getroffen.“ Nach dem Telefonat mit Scholz sei die Angelegenheit für ihn nun erledigt. Der Verantwortliche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den Scholz auf der Berliner Party vor Zeugen mit den Worten „Halt den Mund, Du Ar***“ angepflaumt hat, will sich nicht äußern – unter Verweis auf den privaten Charakter der Veranstaltung, der „einen offenen Austausch der Gäste in einem geschützten Raum ermöglichen“ sollte. Eine SPD-Sprecherin hingegen streitet den Vorgang auf FOCUS-Anfrage ab: „Dieses Zitat ist frei erfunden“, sagte sie. Joe Chialo mahnte in seiner persönlichen Erklärung dazu, trotz des großen Drucks, „in dieser aufgeheizten Situation mit Bedacht und Anstand miteinander umgehen“. Er hoffe, so der Kultursenator weiter, „dass wir zu einem fairen und sachlichen Austausch zurückfinden.“ |
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| Produktion des 911er im Porsche-Werk im Stammwerk in Zuffenhausen (© Reuters) |
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Verbrenner: Auch VW mit Rolle rückwärts |
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Volkswagen will volumenstarke Verbrenner-Modelle womöglich länger laufen lassen als bislang geplant. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider. Danach könnten der Golf, der Tiguan und der T-Roc in den 2030er Jahren eine leichte Überarbeitung (Facelift) erhalten. Dies gelte auch für den A3 von Audi. Eigentlich wollten VW und Audi ab 2033 keine Verbrenner mehr verkaufen. Nun bereiten sich die Konzernstrategen womöglich auf ein späteres Verbrenner-Aus vor. Damit ziehen die Wolfsburger die Konsequenzen aus den schleppenden Verkäufen ihrer E-Modelle. Erst vor einem Jahr hatte auch Mercedes-Benz die Kehrtwende angekündigt. Statt – wie ursprünglich geplant bis 2025 – will der Konzern nun bis Mitte der 30er Jahre Verbrenner anbieten. Auch Porsche setzen die schwachen E-Absatzzahlen zu. Eigentlich sollten bis 2030 vier von fünf Porsche-Modellen voll-elektrisch sein. Nun wollen die Schwaben wieder mehr klassische Antriebe und Plug-in-Hybride verkaufen. Das operative Ergebnis werde dadurch um 800 Millionen Euro sinken, teilte der Konzern unlängst mit. Angesichts der Entwicklung sollen bis 2029 rund 1900 Stellen im Stammwerk in Zuffenhausen und dem Entwicklungszentrum in Weissach wegfallen, kündigte das Unternehmen gestern an. |
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| Kämpft gegen die Unicredit: Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp (© Reuters) |
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Zu teuer: Commerzbank verlagert Tausende Jobs ins Ausland |
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Nun steht es fest: Bei der Commerzbank sollen bis 2028 insgesamt 3900 Stellen wegfallen, 3300 davon in Deutschland. Das verkündete Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gestern bei der Vorlage der Jahreszahlen in Frankfurt. Nach den Plänen will die zweitgrößte deutsche Privatbank vor allem Stellen in der Frankfurter Zentrale streichen. Weil aber zugleich bei der mBank in Polen sowie weiteren Standorten neue Stellen geschaffen werden, bleibe der Personalbestand in den kommenden Jahren praktisch unverändert bei rund 36.800 Stellen. Zur Begründung für die Verlagerung verwies die Commerzbank unter anderem auf Kostenvorteile. An ausländischen Standorten seien etwa IT-Experten „leichter und zu besseren Konditionen zu finden“, als im Inland, sagte eine Konzernsprecherin dem FOCUS. Die entsprechenden Eckpunkte seien auch mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt, hieß es. Zugleich legte Orlopp die Messlatte am Donnerstag höher. Bis 2027 solle das Netto-Ergebnis auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Kurz nach dem überraschenden Einstieg der Unicredit hatte Orlopp eine Zielmarke von 3,6 Milliarden Euro gesetzt. Zum Vergleich: Im Vorjahr verdienten die Frankfurter unterm Strich 2,7 Milliarden Euro und damit 20 Prozent mehr als 2023. Die Unicredit war im September überraschend bei der Commerzbank eingestiegen und hat inzwischen Zugriff auf rund 29 Prozent der Aktien. Ab 30 Prozent müssten die Italiener den Commerzbank-Aktionären ein Übernahmeangebot vorlegen. |
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-0,5 Prozent: So stark dürfte die Wirtschaftsleistung 2025 gegenüber dem Vorjahr schrumpfen, warnt der DIHK. Das wäre das dritte Rezessionsjahr in Folge. Die Prognose basiert auf einer DIHK-Umfrage von 23.000 Unternehmen. Alarmierend auch: 60 Prozent der Firmen sehen die Rahmenbedingungen in Deutschland als größtes Geschäftsrisiko – so viele wie nie zuvor. |
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| Die Forscher Erwin Reisner und Sayan Kar mit ihrem „Reaktor“ (© University of Cambridge) |
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Eine Maschine zur Rettung des Klimas |
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Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) wieder aus der Luft holen und es mit Hilfe von Sonnenlicht in einen nachhaltigen Treibstoff verwandeln? Dieses Wunderwerk soll eine Technologie vollbringen, die Chemiker der britischen Universität Cambridge entwickelt haben. Ihr Reaktor fängt CO2 über Nacht mittels Kieselsäure und Aminen ein. Tagsüber heizt die Sonne das Gerät auf, und UV-Strahlen verwandeln das CO2 mit Hilfe eines photokatalytischen Halbleiters in ein Synthesegas, eine Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Als nächstes wollen die Forscher das Synthesegas weiterverarbeiten und Katalysatoren finden, die ein noch größeres Spektrum des Sonnenlichts ausnutzen. Sie hoffen, dass sich ihre Technik bald im großen Maßstab überall auf der Welt einsetzen lässt. Der Ansatz unterscheidet sich stark von bestehenden Verfahren, Kohlendioxid abzuscheiden und etwa in alte Gaslagerstätten zu verpressen. Diese „Carbon Capture and Storage“ (CCS) benötigt enorme Mengen an Energie, und noch ist unklar, wie sicher das Treibhausgas unter der Erde verwahrt bleiben kann. |
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Gewinnerin: Die Diplom-Kauffrau Christine Wolburg, 45, übernimmt ab 1. April bei VW die neu geschaffene Position „Chief Brand Officer“ und berichtet direkt an VW-Markenchef Thomas Schäfer. Wolburg kommt von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), kennt sich in der Autobranche aber aus. Vor ihrem Wechsel in die Hauptstadt war sie bei Mercedes-Benz, zuletzt als Chefin der Produktkommunikation. | |
Verlierer: Der Direktor der Kultureinrichtung Hessen Kassel Heritage ist seinen Job los. Martin Eberle, 56, wurde entlassen, weil er dem Chef des Kasseler Kulturbeirats wörtlich sagte: „Herr Zabel, ich sag' jetzt mal was Rassistisches. Ich komme nicht, aber ich schicke meine Kollegin. Ich kann ihr ja sagen, sie soll sich Schuhcreme ins Gesicht schmieren, dann fühlen Sie sich bei Kulturbeiratssitzungen nicht so allein.“ David Zabel hat dunkle Hautfarbe. | |
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… kennt der Forscherdrang keine Grenzen. Erstmals haben Archäologen systematisch den menschlichen Geruchssinn genutzt, um ägyptische Mumien zu untersuchen – nicht invasiv und völlig zerstörungsfrei. Sie ließen geübte Schnüffler mit besonders feinen Nasen an acht einbalsamierten Körpern schnuppern. Die Sensoriker verteilten Noten wie „würzig“, „holzig“ und „süßlich“. Gleichzeitig erfassten die Wissenschaftler das chemische Duftprofil der Mumien mit Gaschromatograph und Massenspektrometer. | | Nein, an Tutanchamuns Totenmaske schnüffelte natürlich niemand. FOCUS Briefing wollte Ihnen einfach den Anblick von Mumien vorm Frühstück ersparen (© Reuters) | Göttlich duftend ins Jenseits einzuziehen war den alten Ägyptern äußerst wichtig. Noch heute, nach tausenden von Jahren, haftet ihren Mumien das Aroma von Harzen und Ölen aus Zedern und Myrrhesträuchern an. Das FOCUS Briefing verduftet sich jetzt ins Wochenende. Erholen Sie sich gut – am Montag begrüßt Sie wie gewohnt mein Kollege Thomas Tuma. Herzlichst | | Tanit Koch |
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